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Wie 40 Millionen Deutsche zur Brille kamen
31. Januar 2012

Wie 40 Millionen Deutsche zur Brille kamen

Mittel zum Zweck oder nützliches Übel: Das war die Brille einmal vor langer Zeit. Inzwischen hat sich das Nasenfahrrad zum modischen Accessoire gemausert. Eine Studie zeigt außerdem, dass wir Deutschen ein echtes Brillenvolk sind.

Hand aufs Herz. Haben Sie diesen Artikel herangezoomt? Wenn nein: Sehen Sie denn die Buchstaben scharf, sodass es beim Lesen keine Schwierigkeiten gibt? Mit diesen zwei Fragen spalten wir unsere Leser. In die Gruppe, die gut sieht - und die, für deren Vertreter die Anschaffung einer Sehhilfe nicht die schlechteste Idee wäre.

Scharf sehen und alles mitbekommen, das will eigentlich jeder. Doch eine Brille aufsetzen? Niemals! So sollen jedenfalls die Amerikaner über das Nasenfahrrad denken und gehen bei der kleinsten Dioptrie zur Lasertherapie. Christian Ohrloff, Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt, erklärt den Tick in der Rheinischen Post so: "Dort ist eine Brille übertrieben ausgedrückt so eine Art Prothese und Zeichen der körperlichen Unzulänglichkeit."

Gerade der letzte Schrei: dicker Rahmen, große Gläser

Und bei uns in "good old Germany"? Hierzulande habe die Brille eine modische Karriere eingeschlagen, besagt eine Studie des Allensbach Instituts für Demoskopie. Sie diene inzwischen als gern genutztes Accessoire und soll je nach Farbe und Modell die Persönlichkeit ihres Trägers unterstreichen. Über 40 Prozent der Deutschen meinen immerhin, dass Brillen Menschen interessanter machen können. Mit Rahmen, ohne Rahmen: alles eine Frage des Geschmacks. Momentan soll die sogenannte Nerd-Brille mit dickem schwarzen Gestell und großen Gläsern en vogue sein.

Passend zu dieser Erkenntnis bringt der zweite Teil der Allensbachstudie Interessantes zutage. Demnach seien in Deutschland mehr als 40 Millionen Menschen Brillenträger. Hinzu kämen noch rund 3,4 Millionen Freunde der Kontaktlinse. Zusammen machen die "Sehgeschwächten" also mehr als die Hälfte der Einwohner unseres Landes aus.

Der Bildschirm zwingt uns zur Brille

So schön Brillen auch sein mögen, nur der besseren Stylingmöglichkeiten wegen kann diese gewaltige Zahl nicht zustande kommen. Zumal man konstatieren muss, dass es vor 60 Jahren nur etwa halb so viele Brillenträger gab. Es muss also Faktoren in unserem Alltag geben, die uns dem ungetrübten Augenlicht berauben.

Die Allensbachforscher führen die Arbeit am Bildschirm als einen möglichen Grund dafür an. Das klingt plausibel, zeigen doch Statistiken, dass die Zahl der Brillenträger in den letzten zehn Jahren relativ konstant geblieben ist. Der Bruch muss ungefähr in der Zeit liegen, als der Computer die Büros eroberte.

Damals war viele besser, die Augenmedizin aber nicht

Als weitere mögliche Ursache für den starken Anstieg der Populationsdichte von "Brillenschlangen" sehen die Forscher veränderte medizinische Voraussetzungen. War um 1950 das Brillenangebot eher dürftig, verpasst der Optiker heutzutage für jedes Auge den Gläsern einen maßgeschneiderten Schliff. Zusätzlich ist der Anspruch der Menschen an ein messerscharfes Sehvermögen in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen.

Bleiben an dieser Stelle nur noch zwei Sachen zu klären. Erstens: Der Autor des Textes ist kein Amerikaner, trägt trotzdem Kontaktlinsen und entschuldigt sich bei allen Betroffenen für das Wort Brillenschlange. Und zweitens: Woher weiß man, dass eine Sehhilfe oder der Besuch eines Augenarztes von Nöten ist? Dazu genügen ein paar Klicks durch unsere Bildergalerie. (fs)

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