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Dieses Jahr war Tanken so teuer wie noch nie

Dubiose Preisabsprachen, steigende Rohölpreise und horrende Steuerabgaben lassen den Spritpreis explodieren. Ergebnis: 2011 ist das teuerste Tank-Jahr aller Zeiten. Was soll man dagegen bloß machen?

Mit perforierten Lenkrädern dürften dieses Jahr viele deutsche Autos umherfahren. Schließlich möchte man beim Anblick der Preistafeln an den Tankstellen regelmäßig am liebsten ins Lenkrad beißen. Da hilft es auch nicht, "nur" für 20 Euro zu tanken, wie es viele gerne machen. Teuer bleibt teuer und dieses Jahr knackt alle Rekorde.

Nach Berechnungen des ADAC und des Mineralölverbandes ist im Jahr 2011 in Sachen Spritpreise ein Negativrekord aufgestellt worden. Durchschnittlich kostete der Liter Superbenzin 1,52 Euro. Der Preis für Diesel pendelte sich bei stolzen 1,41 Euro ein. Im Vergleich zu den Preisen von vor zehn Jahren entspricht das einem Anstieg von 49 Prozent beziehungsweise 72 Prozent.

Steuern haben massiv zum Preisanstieg beigetragen

Dieser Anstieg hat Folgen. Ein Kleinwagenfahrer zahlt heute etwa 370 Euro mehr für Treibstoff als im Jahr 2001, rechnet die Nachrichtenagentur afp vor. Bei Oberklassefahrzeugen liege der Mehrkostenbetrag bei jährlich 714 Euro.

Fragt sich nur, wie innerhalb von nur zehn Jahren der Spritpreis so durch die Decke gehen konnte. "Es gibt verschiedene Einflussfaktoren. Zum einen ist der Rohölpreis gestiegen und zum anderen gibt es in Deutschland gleich mehrere Steuern, die zu dem vehementen Preisanstieg beigetragen haben", konstatiert Markus Löffler, Verkehrsingenieur des ADAC Sachsen, im Gespräch mit RADIO PSR. Immerhin etwa 90 Cent je Liter fließen in die Staatskasse.

Doch Ökosteuer & Co. seien nicht einzig und allein für die horrenden Summen verantwortlich, die beim Volltanken anfallen. Auch die seit Jahren diskutierten und zuletzt erneut kartellrechtlich untersuchten Beziehungen zwischen Mineralölkonzernen spielen beim Preispoker eine wesentliche Rolle. Der Vorwurf: Durch ein verzweigtes Beobachtungs- und Meldesystem lassen große Konzerne synchron Preise fallen oder steigen.

Nur Wettbewerb bricht Oligopol von Mineralölkonzernen


Bestimmt also nicht nur die Nachfrage den Benzinpreis, sondern auch die Willkür der Konzerne? Die Studie "Marktstrukturen, die dem Wettbewerb abträglich sind", die im Mai dieses Jahres vom Bundeskartellamt vorgelegt wurde, belegt das - nur verhindern kann das bisher keiner.

In Anbetracht der steigenden Preise wird der Ruf nach einem politischen Eingreifen laut. Im Gespräch ist seit Kurzem ein Gesetzesvorschlag nach österreichischem Vorbild. Dort dürfen nur einmal am Tag Benzinpreise erhöht werden - und nicht wie hierzulande beliebig oft. ADAC-Experte Löffler hält dagegen: "Solche überstürzten Gesetze helfen auch nicht weiter. Unsere Beobachtungen zeigen, dass zu viele Reglementierungen auf lange Sicht zu Preisanstiegen führen". Soll heißen: Ein Gesetz, das Preiserhöhungen beschränkt, würde das Gegenteil bewirken. "Was wir brauchen, ist ein funktionierender Wettbewerb", argumentiert Löffler.

Bis die Politik den Preisirrsinn in die Schranken weist, können Autofahrer wohl nur im Kleinen versuchen, halbwegs kostensparend durchzukommen. Neben den allgemeinen und oft gepriesenen Spritspaartipps lässt sich auch durch Preisvergleiche bares Geld sparen. Auf Portalen wie clever-tanken.de oder benzinpreis.de kann in jedem beliebigen Ort nach der günstigsten Tankstelle gesucht werden. Ebenfalls nicht zu unterschätzen, sei nach Auskunft des ADAC die Schwankungen des Benzinpreises im Laufe einer Woche. "Im Jahr 2010 haben wir festgestellt, dass an Sonntagen die Preise am niedrigsten waren und freitags kurz vorm Wochenende am höchsten", erklärt Löffler. (fs)

Fotostrecke: So entsteht der Benzinpreis

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