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Deutscher Strom heizt sogar in Frankreich
06. Februar 2012

Deutscher Strom heizt sogar in Frankreich

Von Kritikern des Atomausstiegs wurde eine Kältewelle als ultimative Belastungsprobe heraufbeschworen. Nun ist es bitter kalt und trotzdem wird so viel Strom produziert, dass sogar Atomland Frankreich bei uns einkauft. Den alternativen Energiequellen sei Dank.

Es ist kalt, wir frieren und wollen deshalb alle nur das Eine: dass die Heizung funktioniert. Bei unseren französischen Nachbarn gibt es damit momentan aber Probleme. Wegen der anhaltenden Kälteperiode ist das Stromnetz der Grande Nation schwer überlastet. Das Atomland Nummer eins benötigt mit jedem weiteren Minusgrad rund 2.300 Megawatt Strom mehr, rechnet die Zeitung taz vor. Das entspricht etwa der Hälfte der Jahresleistung eines durchschnittlichen Kernkraftwerks.

Der Grund für den Engpass: Geheizt wird in Frankreich überwiegend mit Strom. Ende vergangener Woche wurde es derart eng, dass aus Deutschland importiert werden musste. Im ersten Moment klingt das vielleicht unspektakulär, ist aber vor dem Hintergrund, dass in Deutschland kaum noch Atommeiler am Netz sind eine Erfolgsmeldung für die Ökostrombranche.

An die Reserven muss noch lange nicht gegangen werden

Trotz deutlich geringerem Atomanteil zeigt sich das deutsche Netz stabil - und es wird sogar genügend Strom erzeugt, um Nachbarn zu versorgen. "Die Fotovoltaik in Süddeutschland hilft uns gerade sehr", sagt der Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers Amprion der taz und zählt eine hohe Solarstromquote wegen des sonnigen Wetters als wichtigen Faktor auf. Aber auch Windkraftanlagen im Norden und Osten leisten einen wichtigen Anteil. Reservekraftwerke, die seit dem Atomausstieg als Notversorgungsstätten reaktiviert werden können, sind nicht am Netz.

Am Montag dementierte das Umwelt- und Wirtschaftsministerium außerdem Meldungen der Bild-Zeitung, wonach ein Behörden-Rundschreiben existiere, das vor größeren Versorgungslücken in Deutschland warne. "Der Ausbau von Wind und Solar zahlt sich aus. Horrorszenarien, nach denen die Stromversorgung zusammenbricht und die Preise explodieren, sind unseriös", sagte eine Sprecherin der Behörde der Nachrichtenagentur Reuters.

Reduzierte Gaslieferungen aus Russland sorgen nicht für Engpass

Für Unbehagen sorgten am Wochenende die Nachrichten über reduzierte Gaslieferungen aus Russland. Auch hier entwarnen Behörden. Es gebe keinen Engpass, heißt es schlicht in einer Erklärung des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums. Angesichts dieser erfreulichen Meldungen aus der Energiebranche lässt sich der eisige Wintereinbruch wenigstens mit Gewissheit in warmen Stuben aushalten. (fs)

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