Das hatte sich der Bundespräsident sicher anders vorgestellt: Inzwischen ist er sogar unbeliebter als der oft verspottete Außenminister Guido Westerwelle. Das Volk hat langsam genug und wünscht sich, Christian Wulff möge einfach zurücktreten.
Wer einmal (fast) lügt, dem glaubt man nicht … Seit Bekanntwerden eines günstigen Hauskredits hat Bundespräsident Christian Wulff einen Ehrenplatz in den Schlagzeilen inne. Auch wenn er den gerne wieder los wäre, bietet er immer wieder neue Vorlagen, schräge Erklärungen und Fragwürdigkeiten. Das schlägt sich auch auf seine Umfragewerte nieder.
Mehrheit findet einen Rücktritt sinnvoll
Erstmals seit Beginn der Affäre im Dezember wünscht sich die Mehrheit der Deutschen einen Rücktritt Wulffs. Im ARD-Trend sprechen sich 54 Prozent der Bevölkerung dafür aus. Noch fataler sind die Werte bei den moralischen Fragen: Nur 16 Prozent halten Wulff für ehrlich, ganze 76 Prozent finden das nicht. Für glaubwürdig befinden ihn nur noch 22 Prozent der Deutschen, 73 Prozent zweifeln an seinem Wort.
Westerwelle: höchster Zufriedenheitswert seit zwei Jahren
Elf Prozentpunkte hat Wulff dem Trend zufolge in der Rangliste der beliebtesten Politiker verloren, nur 33 Prozent der Bevölkerung sind mit seiner Arbeit als Bundespräsident zufrieden. Ganz anders geht es gerade Außenminister Guido Westerwelle, der es schlussendlich aus der Schusslinie geschafft hat. Um neun Prozentpunkte ging es für den FDP-Politiker nach vorne auf den für ihn besten Wert seit zwei Jahren. Wer hätte vor sechs Monaten gedacht, dass Guido Westerwelle einmal mit 34 Prozent Zustimmung beliebter sein würde als der deutsche Bundespräsident?
An Merkel prallt die Affäre ab
Doch nicht nur Christian Wulff verliert an Ansehen, wie der ARD-Deutschland-Trend zeigt. Inzwischen sind 53 Prozent der Meinung, die meisten Politiker würden sich "wirtschaftliche Vorteile im Amt sichern". Davon bleibt allerdings eine ganz unberührt: Bundeskanzlerin Angela Merkel steigert sich auf 64 Prozent (+1 Prozent) und muss nur Finanzminister Wolfgang Schäuble (65 Prozent) den Vorrang lassen.
SPD-Politiker haben Anschluss zur Spitze verloren
Auch die gesamte Bundesregierung bewerten die Deutschen mit 42 Prozent so gut wie seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2009 nicht mehr. Verteidigungsminister Thomas de Maizière fällt um drei, landet aber mit 60 Prozent auf einem guten dritten Platz. Erst dann folgen die SPD-Politiker Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier (mit je 55 Prozent).
Eines bleibt Christian Wulff schlussendlich angesichts ständig neuer Schlagzeilen, Affären und Vorwürfe: Sein Sympathiewert hält sich stabil bei 65 Prozent. Vielleicht ein kleiner Trost für den krisengeschüttelten Präsidenten. (jg)