DSDS, The Voice, Unser Star für Baku, der Bachelor, Dschungelcamp und so weiter und so fort. Die Liste sogenannter Unterhaltungsformate ist lang und gerade jetzt zu Jahresbeginn laufen sie auf allen Kanälen. Nur: Wer braucht sie noch?
Es gibt so viele davon, dass damit locker Gehsteige gepflastert werden könnten: Casting- und Realityshows. Sie waren einst erfrischend und polierten unverblümt die Abendunterhaltung privater - jetzt auch öffentlich-rechtlicher - Fernsehsender auf. Das Credo lautete: Weg mit den Traumhochzeiten von Durchschnittspaaren, her mit den Verkuppelstorys für debile Bauern.
Das Mattscheiben-Comeback des "Bachelors" im Januar auf RTL haut in dieselbe Kerbe. Paul Janke, ehemaliger Mister Hamburg, mimt einen reichen Image-Berater und soll sich unter 20 schönen Frauen eine aussuchen. Na klar!? Das hat jetzt nichts mit männlichem Ego zu tun, aber solche feudalen Verhältnisse bei der Frauenwahl können einfach nicht stimmen. Die Sendung ist eine Inszenierung, die wehtut.
Schmerzen bereiten genau zwei nicht unwesentliche Fakten. Erstens: die Sendung zeichnet ein völlig verqueres Frauen- und Beziehungsbild. Wer bitte - außer vielleicht der Emir von Qatar - kann als Single wie auf dem Wühltisch zwischen mehr als einem Dutzend bereitwilliger Damen wählen? Und zweitens: Paul Janke ist nicht reich. Er wohnt in einem Einzimmer-Apartment in Hamburg und muss in seiner Küche ein Büro mit Computer, Drucker und Akten unterbringen, berichtet das Magazin Bunte. Der "Bachelor" ist aber kein Einzelfall. Auch andere Formate gaukeln in einer Tour Halbwahrheiten vor oder präsentieren dem Zuschauer Schicksale, die ernsthaft keine sind.
Jahresanfang bedeutet Quotenkampf
Doch momentan, das verrät jedenfalls der Blick in die Fernsehzeitung, sprießen diese Casting- und Realityformate wie Pilze aus dem Boden. Ganz vorne dabei ist RTL. Im Januar hatte der Sender mit dem bereits abgeschlossenem Dschungelcamp, dem Bachelor und der gerade startenden neuen DSDS-Staffel gleich drei Eisen im Feuer.
Warum machen die das nur? Leiden die Deutschen wirklich an einer Schwachsinnsobsession? Nein, zumindest nicht alle. Die Show-Überflutung ist hausgemacht. Schließlich steckt die TV-Branche traditionsgemäß zum Jahresanfang im Quotenkampf. Wer jetzt die meisten Zuschauer hat, kann seine Werbezeiten im restlichen Jahr teurer verkaufen.
Haben die Formate ihren Zenit überschritten?
Fernsehkritiker schreiben sich seit Jahren die Finger über die inhaltliche Seichtheit von "Unterhaltungsformaten" wund. Nichts hat es bewirkt, bis jetzt jedenfalls. Denn die Quoten der besagten Formate bleiben hinter ihren Erwartungen zurück. Das Dschungelcamp schaffte erst mit seinem Finale ein Rekordergebnis von 7,43 Millionen Zuschauern und konnte die Ergebnisse der Vorjahre nicht annähernd erreichen.
Auch Castingshows scheinen also ihren Zenit so langsam überschritten zu haben - oder machen sich einfach nur gegenseitig die Quoten streitig. Das im Dezember bei Sat 1 hoffnungsvoll gestartete Projekt "The Voice of Germany" stürzte zwischenzeitlich ab. "Unser Star für Baku", die ARD-Pro7-Produktion, sucht nicht nur nach einer Nachfolge für Grand-Prix-Lena, sondern auch nach Zuschauern. Nur 1,7 Millionen Deutsche sahen zum Beispiel die zweite Ausgabe. Und Dieter Bohlen legte mit DSDS alles andere als einen Traumstart hin. Nach Recherchen des Branchenmagazins DWDL fuhr die Superstar-Show im Januar zeitweise die schlechtesten Werte seit 2005 ein. RTL beschreibt den Grund dafür schlicht mit einem zu hohen Angebot an Castingshows und spricht von gesättigten Marktverhältnissen. Gesättigt ist ein gutes Stichwort in diesem Zusammenhang. Was meinen Sie, stimmen Sie unten ab! (fs)